XRechnung und ZUGFeRD in Odoo einrichten: Anleitung, Fristen, PEPPOL
Konkrete Anleitung: Welche Odoo-Einstellungen XRechnung und ZUGFeRD sauber erzeugen, wie die PEPPOL-Registrierung abläuft, welche Fristen von 2025 bis 2028 gelten und welche Konfigurationsfehler zu abgelehnten Rechnungen führen.
Stand: 29. Juli 2026 · Autor: Kevin Valentin
Seit dem 1. Januar 2025 muss jedes deutsche Unternehmen im inländischen B2B-Geschäft E-Rechnungen empfangen können, ohne Übergangsfrist und unabhängig von der Unternehmensgröße. Für den Versand gelten gestaffelte Übergangsfristen: Papier und einfache PDFs sind grundsätzlich noch bis Ende 2026 zulässig, für Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz bis 800.000 Euro bis Ende 2027. Ab dem 1. Januar 2028 ist die strukturierte E-Rechnung im inländischen B2B-Verkehr dann verpflichtend, für alle.
Dieser Beitrag zeigt, was das konkret für ein Odoo-System bedeutet: welche Formate unterstützt werden, wie Ein- und Ausgang praktisch laufen, was in der Buchhaltung wirklich konfiguriert werden muss, und wo in der Praxis die Fehler passieren.
Was rechtlich eine E-Rechnung ist
Eine PDF-Rechnung per E-Mail ist keine E-Rechnung. Der Gesetzgeber verlangt ein strukturiertes elektronisches Format nach der europäischen Norm EN 16931, das maschinell auslesbar und weiterverarbeitbar ist. In Deutschland sind damit praktisch zwei Formate relevant:
- XRechnung. Reines XML, im öffentlichen Auftragswesen (B2G) faktisch Standard und auch im B2B weit verbreitet.
- ZUGFeRD ab 2.x (Profil EN 16931 / „Comfort" aufwärts). Hybrid: ein PDF/A-3 mit eingebettetem XML - für Menschen lesbar, für Maschinen auswertbar.
- PEPPOL BIS Billing 3.0. Kein eigenes „drittes Format" im engeren Sinn, sondern der europäische Übertragungsweg samt Netzwerk - zunehmend der bequemste Kanal.
Wichtig: ZUGFeRD-Profile unterhalb von EN 16931 (z. B. „Basic WL" oder „Minimum") erfüllen die Anforderung nicht. Wer ZUGFeRD nutzt, sollte konsequent auf das EN-16931-Profil oder höher setzen.
Was Odoo mitbringt
Odoo unterstützt E-Rechnung im Standard, kein Drittanbieter-Modul nötig, wenn die Version aktuell genug ist. Ab Odoo 17 ist das Handling brauchbar, ab Odoo 18/19 deutlich ausgereifter (bessere Erkennung eingehender Formate, saubereres PEPPOL-Onboarding, robusterer Import).
- Ausgang. Rechnungen lassen sich pro Kunde als XRechnung (UBL) oder ZUGFeRD/Factur-X erzeugen und automatisch an die Rechnung anhängen.
- Eingang. Eingehende XML- und Hybrid-Rechnungen werden eingelesen und als Lieferantenrechnung mit Positionen, Steuern und Beträgen vorbefüllt - deutlich weniger Tipparbeit als OCR auf PDF.
- PEPPOL. Odoo kann als Access Point angebunden werden, sodass Versand und Empfang über das Netzwerk statt per E-Mail laufen.
- Rechnungs-E-Mail-Alias. Ein Posteingang wie
rechnung@ihrefirma.dekann direkt in Odoo entwurfsweise Lieferantenrechnungen erzeugen.
In Odoo Community fehlen einige Komfort- und Lokalisierungsbausteine; hier landet man häufig bei OCA-Modulen und damit bei laufendem Pflegeaufwand. Details zum Unterschied stehen im Preisvergleich Community vs. Enterprise.
Fristen 2025 bis 2028 im Überblick
| Ab | Wen es betrifft | Was gilt |
|---|---|---|
| 01.01.2025 | Alle inländischen B2B-Unternehmen | Empfang strukturierter E-Rechnungen ist Pflicht, ohne Ausnahme und ohne Zustimmungserfordernis. |
| bis 31.12.2026 | Alle Unternehmen | Versand als Papier oder einfache PDF bleibt zulässig, sofern der Empfänger zustimmt. |
| bis 31.12.2027 | Umsatz im Vorjahr bis 800.000 Euro | Verlängerte Übergangsfrist für den Versand, sonst gilt bereits 2027 die E-Rechnungspflicht. |
| 01.01.2028 | Alle inländischen B2B-Unternehmen | Versand strukturierter E-Rechnungen nach EN 16931 ist verpflichtend, PDF genügt nicht mehr. |
B2G ist davon unberührt: Bei Rechnungen an Bundesbehörden gilt XRechnung schon seit 2020, meist über die Plattformen ZRE oder OZG-RE.
Einrichtung in Odoo, Schritt für Schritt
- Lokalisierung aktivieren. Unter Einstellungen, Unternehmen muss das Land auf Deutschland stehen, damit das Paket
l10n_desamt SKR03/SKR04 greift. Erst danach erscheinen die deutschen E-Rechnungsoptionen. - Buchhaltungsmodul konfigurieren. Buchhaltung, Konfiguration, Einstellungen, Kundenrechnungen: dort die elektronische Rechnungsstellung einschalten und die gewünschten Formate (Factur-X/ZUGFeRD, XRechnung/UBL BIS 3) aktivieren.
- Stammdaten härten. Vollständige Firmenanschrift, USt-IdNr., Steuernummer und IBAN am Unternehmen. Fehlt eines dieser Felder, schlägt die Validierung ohne brauchbare Fehlermeldung fehl.
- Format je Kunde hinterlegen. Das E-Invoicing-Format sitzt am Kontakt im Reiter Buchhaltung, nicht in einer globalen Einstellung. Behördenkunden bekommen XRechnung plus Leitweg-ID im Feld Endpunkt / Buyer Reference.
- Steuerkennzeichen mappen. 19 %, 7 %, 0 %, innergemeinschaftliche Lieferung und Reverse-Charge brauchen korrekte UNTDID-Kategorie-Codes an der jeweiligen Steuer, sonst weist der Empfänger die Rechnung ab.
- Eingangskanal aufsetzen. Journal Lieferantenrechnungen mit E-Mail-Alias (z. B.
rechnung@ihrefirma.de) versehen und/oder PEPPOL-Empfang aktivieren, dazu den Freigabe-Workflow definieren. - Testlauf mit echten Belegen. Je zwei bis drei reale Kunden- und Lieferantenrechnungen End-to-End durchspielen und das XML mit einem EN-16931-Validator prüfen, bevor der erste echte Kunde umgestellt wird.
PEPPOL-Registrierung in Odoo
Odoo ist selbst zertifizierter PEPPOL Access Point. Die Registrierung läuft direkt aus dem System heraus und dauert in der Praxis wenige Tage:
- Voraussetzungen prüfen. Odoo 17 oder neuer, Online oder Odoo.sh; beim Eigenhosting braucht es die Anbindung an den Odoo-Dienst oder einen fremden Access Point.
- Elektronische Adresse festlegen. In den Buchhaltungseinstellungen unter Elektronischer Rechnungsaustausch (PEPPOL) das Schema wählen, für Deutschland üblicherweise die USt-IdNr. (Schema 9930) oder die Leitweg-ID (0204).
- Registrierung absenden. Odoo prüft, ob die Adresse im PEPPOL-Verzeichnis frei ist, und startet die Anmeldung als Sender und Empfänger.
- Verifizierung bestätigen. Ein Code kommt per SMS oder E-Mail an die hinterlegte Kontaktadresse, danach wechselt der Status auf aktiv.
- Empfangstest fahren. Eine Testrechnung über einen Geschäftspartner oder ein PEPPOL-Testtool senden lassen und den automatischen Import als Lieferantenrechnung prüfen.
- Kunden umstellen. Bei Kunden mit bekannter PEPPOL-Adresse den Versandweg im Kontakt auf PEPPOL setzen, alle anderen weiter per E-Mail mit angehängtem ZUGFeRD.
Wichtig: Eine PEPPOL-Adresse darf europaweit nur bei einem Access Point registriert sein. Wer bereits über einen Dienstleister angebunden ist, muss dort zuerst abmelden.
Typische Fehler aus der Praxis
- Leitweg-ID fehlt. Bei B2G-Rechnungen ohne Leitweg-ID ist die Ablehnung sicher - das Feld gehört pro Behördenkunde gepflegt.
- Falsches ZUGFeRD-Profil. Ein „Minimum"-Profil sieht aus wie eine E-Rechnung, ist aber keine.
- Freitext statt Struktur. Rabatte, Zuschläge oder Skonto nur im Bemerkungsfeld statt in den vorgesehenen XML-Feldern führen zu Validierungsfehlern.
- Nur PDF archiviert. Aufbewahrungspflichtig ist das strukturierte Original - nicht der optische Ausdruck.
- Alte Odoo-Version. Unter Odoo 17 wird E-Rechnung schnell zum Bastelprojekt - siehe Migrations-Leitfaden.
GoBD, Archivierung und DATEV
Die E-Rechnung ist im Original aufzubewahren: Das XML bzw. das PDF/A-3 mit eingebettetem XML ist der revisionsrelevante Beleg, acht Jahre lang, unveränderbar und maschinell auswertbar. Odoo legt die Datei am Buchungsbeleg ab, wichtig ist, dass Sperrdaten und Festschreibung greifen, damit der Beleg nachträglich nicht austauschbar ist. Details dazu im GoBD-Artikel.
Für die Übergabe an den Steuerberater ändert sich am Ablauf wenig: Der DATEV-Export bleibt der Weg, die Belegverknüpfung wird durch strukturierte Daten aber sauberer und die Erfassungsquote deutlich höher.
Was jetzt sinnvoll ist
Wer heute schon empfangsfähig ist und den Versand testweise auf einzelne Kunden umstellt, hat bis 2027/2028 alle Zeit der Welt. Wer wartet, macht Pflichtumstellung, Versionswechsel und Prozessumbau gleichzeitig, erfahrungsgemäß der teuerste Weg. Der pragmatische Einstieg: Odoo-Version prüfen, Stammdaten aufräumen, ein Format produktiv sauber zum Laufen bringen, danach ausrollen.
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