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ERP-Auswahl · 7 Min.

ERP-Checkliste: 15 Fragen vor der Softwareauswahl

Die meisten ERP-Projekte scheitern nicht an der Software, sondern an unklaren Anforderungen und einer zu früh fixierten Auswahl. 15 Fragen, die wir mit jedem Mandanten vor dem ersten Anbietergespräch klären.

Stand: 27. Juni 2026 · Autor: Kevin Valentin

Die meisten ERP-Projekte, die wir aus der Nähe gesehen haben, scheitern nicht an der Software. Sie scheitern daran, dass vor der Unterschrift niemand aufgeschrieben hat, was das System eigentlich können muss. Am Ende steht eine überzeugende Demo, ein sympathischer Vertriebler - und ein System, das zur Buchhaltung passt, aber nicht zur Fertigung.

Diese 15 Fragen sind keine akademische Übung. Es ist die Liste, die wir mit Mandanten vor jeder Anbieteransprache durchgehen, weil jede einzelne davon in der Praxis schon einmal ein Projekt um Monate verzögert oder einen fünfstelligen Betrag gekostet hat.

Warum eine strukturierte Checkliste wichtig ist

Ohne schriftliche Kriterien verläuft die Auswahl nach Bauchgefühl - oder danach, wer die überzeugendste Präsentation hält. Wir haben Projekte begleitet, bei denen drei Anbieter verglichen wurden, aber keiner dieselbe Frage beantworten musste. Ergebnis: drei Angebote, die sich nicht gegenüberstellen ließen, und eine Entscheidung, die am Ende beim niedrigsten Preis landete - nicht bei der besten Passung.

Die 15 Fragen vor der ERP-Softwareauswahl

  1. Welche Kernprozesse muss das ERP-System zwingend abdecken? Halten Sie sich streng an Muss- und Kann-Kriterien. Wer beim ersten Gespräch nur „wir brauchen ein ERP“ sagt, bekommt ein Angebot für Buchhaltung und CRM - und wundert sich neun Monate später, dass die Fertigungssteuerung fehlt.
  2. Wie viele Nutzer und Abteilungen sind betroffen? Ab ungefähr 20 gleichzeitigen Usern wird die Rechteverwaltung selbst zum Teilprojekt. Planen Sie hierfür Zeit für ein sauberes Rollenkonzept ein, nicht nur für die Lizenzbestellung.
  3. Welche Branchenanforderungen gibt es? Ein Serienfertiger mit Losverfolgung braucht andere Pflichtfelder als ein Dienstleister, der nach Stunden abrechnet. Fragen Sie nach zwei, drei Referenzprojekten aus Ihrer Branche - nicht nach der allgemeinen Kundenliste.
  4. Cloud, On-Premise oder Hybrid? Für deutsche KMU mit DATEV- und GoBD-Pflichten ist das selten Bauchgefühl: Serverstandort, Backup-Hoheit und Prüferzugriff (Z1-Z3) hängen direkt an dieser Entscheidung.
  5. Wie hoch sind die Gesamtkosten (TCO) - nicht nur die Lizenzkosten? Bei einem 10-User-Setup liegt allein die Implementierung realistisch zwischen 8.000 und 60.000 €, je nach Schnittstellen und Datenqualität. Wer nur die Lizenz vergleicht, vergleicht das kleinste Kostenelement im Budget.
  6. Wie transparent ist das Preismodell? Fragen Sie explizit nach: Ist Support im Preis enthalten? Was kostet ein zusätzliches Modul in 18 Monaten? Anbieter, die hier ausweichen, kalkulieren später nach.
  7. Wie gut lässt sich das System an bestehende Prozesse anpassen? Je mehr Code-Anpassung nötig ist, desto teurer wird jedes künftige Versionsupgrade. Ein System, das 90 % der Prozesse im Standard abbildet, ist über drei Jahre gerechnet meist günstiger als eines mit viel Customizing.
  8. Welche Schnittstellen zu bestehenden Systemen werden benötigt? Fragen Sie nach der letzten vergleichbaren Schnittstelle, die der Anbieter tatsächlich gebaut hat - inklusive Aufwand in Stunden. Eine vage Antwort an dieser Stelle ist meistens ein Warnsignal.
  9. Wie sieht der Implementierungsplan konkret aus? Meilensteine mit Datum, nicht mit Wochen-Spanne. Wer nach vier Wochen noch keinen Termin für die erste Testmigration nennen kann, hat wahrscheinlich noch keinen echten Plan, sondern eine Absichtserklärung.
  10. Wie läuft die Datenmigration ab? Klären Sie vorab, wer die Datenbereinigung übernimmt - der Anbieter oder Ihr eigenes Team. Genau an diesem Punkt fallen die meisten Projekte aus dem Zeitplan.
  11. Welche Erfahrung und Referenzen hat der Implementierungspartner? Fragen Sie gezielt nach einer Referenz, die schiefgelaufen ist, und wie sie gelöst wurde. Die Antwort darauf sagt mehr über den Partner als jede Erfolgsgeschichte auf der Website.
  12. Wie sieht der Support nach dem Go-Live aus? Lassen Sie sich die Reaktionszeit für einen Show-Stopper vertraglich zusagen, nicht nur mündlich versprechen - und fragen Sie, wer tatsächlich am Telefon ist: ein fester Ansprechpartner oder ein anonymes Ticket-System.
  13. Wie skalierbar ist das System bei Wachstum? Testen Sie das an einem konkreten Szenario: doppelte Nutzerzahl, zweiter Standort, neue Sprache. Lautet die Antwort „dafür bräuchten wir dann ein anderes Produkt“, ist das ein klares Warnsignal.
  14. Wie steht es um Datenschutz und IT-Sicherheit? „Serverstandort EU“ allein reicht nicht als Antwort. Fragen Sie nach dem konkreten Backup-Rhythmus und wie ein Restore in der Praxis abläuft - nicht nur, ob es einen Backup-Plan gibt.
  15. Wie akzeptiert wird das System bei den Mitarbeitenden sein? Holen Sie zwei, drei künftige Key-User schon in die Demo-Phase, nicht erst ins Schulungs-Kickoff. Systeme, die allein von der IT ausgewählt wurden, scheitern im Alltag am häufigsten an der Akzeptanz.

Fazit: Anforderungen vor Anbietern

Der wichtigste Grundsatz bleibt immer derselbe: erst die eigenen Anforderungen klären, dann Anbieter vergleichen - nicht umgekehrt. Wer diese 15 Fragen vor dem ersten Anbietergespräch beantwortet hat, verhandelt aus einer deutlich stärkeren Position und entgeht den Ursachen, an denen die meisten ERP-Projekte tatsächlich scheitern.

Odoo passt für viele dieser Kriterien besonders gut, weil sich einzelne Bereiche wie CRM, Buchhaltung oder Lager unabhängig voneinander einführen lassen - eine schrittweise, risikoärmere Einführung, statt alles auf einen Big-Bang-Go-Live zu setzen.

Weiterführend: Odoo Preise 2026 für die konkrete Kostenaufschlüsselung und GoBD-Konformität mit Odoo für die deutschen Compliance-Anforderungen aus Frage 4 und 14.

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